02.03.2010, Schaffhauser Nachrichten

Ablehnend bis erleichtert

Bei der Suche nach möglichen Standorten für ein Atommüll-Endlager fiel am Freitag ein weiterer Entscheid. Dieser hat verschiedene Stellungnahmen hervorgerufen.

Die Nagra habe bei der Untersuchung von sechs möglichen Standorten für Endlager für radioaktive Abfälle gut gearbeitet. Das bescheinigte ihr das Eidgenössische Nuklear- sicherheitsinspektorat (ENSI) und sprach von einer «fachlich fundierten, umfassenden und nachvollziehbaren Analyse der geologischen Grundlagen» (siehe SN vom 27. Februar). Zu dieser Einschätzung haben verschiedene Organisationen und Parteien Stellung bezogen. Die Sozialdemokratische Partei des Kantons Schaffhausen widerspricht in einer Stellungnahme, die von Parteipräsidentin Martina Munz unterzeichnet ist, vor allem den Aussagen der ENSI punkto Sicherheit und Machbarkeit: «Die bisherigen Erfahrungen mit dem Atommüll-Endlager im deutschen Asse haben gezeigt, dass nicht einmal während 50 Jahren, geschweige über Zehntausende Jahre hinweg, die Sicherheit vor atomarer Verstrahlung gewährleistet werden kann. Gegenüber den nachkommenden Generationen ist deshalb der Einsatz dieser wissenschaftlich umstrittenen und völlig unausgereiften Technologie verantwortungslos. Bevor über ein Atommüll-Endlager entschieden wird, soll der Gesetzgeber die Laufzeit der laufenden Atomkraftwerke begrenzen und im Sinne der Vermeidung von neuen Abfällen und der Schadensbegrenzung auf neue Atomkraftwerke verzichten. Wind und Sonne können den Energieverbrauch in der Schweiz und in Europa zusammen mit der bewährten Wasserkraft mehrfach decken. Jetzt sind die Weichen richtig zu stellen: Nein zu neuen Atomkraftwerken und kein Endlager ohne Ausstieg aus der Atomenergie!»

In eine ähnliche Richtung geht die von Präsidentin Gabriela Buff unterzeichnete Stellung- nahme von Klar! Schaffhausen, in der die Aussagen der Nagra und der ENSI angezweifelt werden: «Wie erwartet, kommt das ENSI zum Schluss, dass die Analysen der Nagra korrekt und nachvollziehbar und die geologischen Grundlagen gut dokumentiert worden seien. Ebenso lässt es sich vernehmen, dass alle relevanten Informationen für die Auswahl der Standortgebiete ausreichend berücksichtigt worden seien. Dies ist schlicht und ergreifend ein Affront, weil nicht wahr! Der geologische Untergrund und die bautechnische Machbarkeit können ja wohl niemals die allein ausschlaggebenden Faktoren für ein Atommüll-Endlager sein! Sowohl die sozioökonomischen Auswirkungen, als auch die Rückholbarkeit und neuerdings auch die Auswirkungen der möglichen oberirdischen Bauten sind nicht einmal am Rande erwähnt worden. Dies sind hingegen für die Bevölkerung in den betroffenen Gebieten Faktoren, die für eine Beurteilung unbedingt dazugehören sollten.

In falsche Richtung gelenkt

Die Diskussion wird gezielt in eine fatale Richtung gelenkt. Sie läuft wie erwartet in eine aus unserer Sicht völlig falsche Richtung: Fokussiert wird die bautechnische Machbarkeit wegen des geeigneten Untergrundes. Somit wird der Bevölkerung Sicherheit vorgegaukelt, wo keine sein kann! Niemand – auch nicht die Nagra und das ENSI – hat auch nur eine entfernteste Ahnung von den Auswirkungen, die ein Atommüll-Endlager auf derart dicht besiedeltem Gebiet auf uns und unsere Nachfahren bis ins x-te Glied haben wird. Stattdessen sollten vermehrt Anstrengungen im Bereich alternativer Energieformen gemacht werden, sehr positive Ansätze gibt es ja bereits. Innovative Arbeitsplätze sind erst noch attraktiver im Standortwettbewerb als vermummte Gestalten hinter unter- und oberirdischen Hoch- sicherheitsanlagen! Stellen Sie sich diese Anlagen und die Transporte dorthin nur einmal vor: adieu kleines Paradies, adieu regionaler Naturpark, adieu Weinerlebniszentrum. Der Schaden wäre immens! Im Falle der gewünschten Alternativenergien müsste selbstverständlich eine Güterabwägung gemacht werden: zwei gleichwertige Güter, nämlich der Landschafts- und Umweltschutz versus eine vernünftige und sichere Energiegewinnung! Dazu das Bekenntnis der Menschen, dass wir mit der Fortführung unserer gegenwärtigen Ressourcen- verschleuderung nicht so weitermachen können: auch die eingefleischtesten Befürworter der Atomenergie spüren dies im Grunde ihrer Magengrube. Es wird deshalb in nächster Zeit ein Ziel von Klar! Schaffhausen sein, die Bevölkerung mit Aktionen auf die Auswirkungen eines Atommüll-Endlagers am Südranden aufmerksam zu machen. Sie sollen die Menschen sensibilisieren und der Magengrube der standhaft hartnäckigen Befürwortern zusetzen.

Erleichterung bei Lägern-Nord

Eher Erleichterung herrscht beim Forum Lägern-Nord vor. Der Standort Nördlich Lägern wurde vom ENSI für hochaktive Abfälle nur als «geeignet» bezeichnet, im Gegensatz zu den Standorten Zürcher Weinland und Bözberg, die das Prädikat «sehr geeignet» erhielten. In einer Mitteilung zitiert das Forum seinen Präsidenten, den Bülacher Stadtrat Hanspeter Lienhart: «Zunächst einmal sind wir erleichtert, nur als «geeignet» bewertet worden zu sein. Natürlich hoffen wir, dass unsere Region im Laufe des Einengungsverfahrens zur Standortsuche nicht mehr Kandidatin sein wird. Aber wir versprechen auch, uns fair zu verhalten. Fair gegenüber den anderen Regionen und fair gegenüber den Leitenden Behörden – wir werden uns dem weiteren Auswahlprozess nicht verschliessen», so Lienhart. Er ist laut Mitteilung denn auch überzeugt, dass die Region Nördlich Lägern bereits genügend Zentrumslasten zu tragen hat. «Fluglärm und Kiesabbau sind unbedingt in die nun folgenden Abklärungen einzubeziehen. Denn die raumplanerischen und sozioökonomischen Kriterien werden als Nächstes geprüft», erklärte Lienhart im Namen des Forums Lägern-Nord abschliessend. (r.)

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