19.03.2011, Schaffhauser Nachrichten

Nicht Ökologie, sondern Eigennutz treibt den Wandel

Der Wechsel vom Atomstrom zu erneuerbaren Energien ist nicht nur möglich, er kann sich auch finanziell lohnen. So das Fazit einer Veranstaltung zum Thema «Erneuerbar statt atomar».

von Erwin Künzi

Sprachen an der Veranstaltung «Erneuerbar statt atomar»:
Bene Müller, Ruedi Rechsteiner, Markus Späth-Walter und
Käthi Furrer (von links).

Bild Selwyn Hoffmann

Als die SP-Sektionen Weinland und Diessen- hofen sowie die Schaffhauser SP-Kantonal- partei den Anlass zum Thema «Erneuerbar statt atomar» planten, hatte die Erde in Japan noch nicht gebebt, und die Reaktoren in Fukushima funktionierten noch. Doch seit gut einer Woche ist alles anders, die Atomenergie hat keine Zukunft mehr, dafür ist das Interesse an erneuerbaren Energien umso grösser. Entsprechend war der Auf- marsch am Donnerstagabend in der Aula des Schulhauses Stumpenboden in Feuer- thalen. Die Leute, darunter auch Thomas Minder, waren gekommen, um sich ein Referat des Energieexperten Ruedi Rech- steiner, der von 1995 bis 2010 für die SP im Nationalrat sass, anzuhören.

Rechsteiner plädierte vehement dafür, die Atomenergie durch erneuerbare Energien zu ersetzen, und wies anhand von verschiedenen Statistiken und Untersuchungen nach, dass dies auch möglich ist. Die Primärenergien wie Sonne, Wind, Wasser und Biomasse seien gratis und unerschöpflich, die Technologien seien vorhanden, und mit grosszügigen Einspeisevergütungen könnten die Alternativenergien wirksam gefördert werden. «Effizient plus erneuerbar plus breiter Mix ergibt eine sichere Versorgung» meinte er und wies darauf hin, dass es nur zwei Windturbinen brauche, um die Stadt Schaffhausen mit Strom zu versorgen. Mit den Worten «Mit erneuerbaren Energien werden wir unabhängig vom Ausland und von nicht erneuerbaren Energien» schloss er sein Referat.

Nachdem Käthi Furrer von Klar! Schweiz die Zürcher Volksinitiative «Strom für morn!» vorgestellt hatte, informierte Bene Müller von Solarcomplex in Singen über die Tätigkeit seiner Firma. Diese erstellt alternative Energieanlagen aller Art und hat bis heute rund 70 Millionen Euro investiert. Nachdem Müller das Beispiel eines Bioenergiedorfes geschildert hatte, das heute nicht nur Strom und Wärme für den Eigenbedarf, sondern auch für den Export produziert und so Geld verdient, sprach er den wichtigsten Satz des Abends: «Nicht die Ökologie oder das Sicherheitsdenken treibt den Wandel an, sondern der Eigennutz.»

In der Diskussion, die von Kantonsrat Markus Späth-Walter geleitet wurde, war das in Benken geplante Endlager ein Thema, aber auch das Verhalten des Stromkonzerns Axpo und der Umstand, dass niemand ein AKW versichert, wurden diskutiert.

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