29.10.2011, Schaffhauser Nachrichten

Endlager und Häuserpreise

Von Zeno Geisseler

Wie viel ist mein Haus noch wert, wenn die Nagra nebenan ein Endlager baut? Diese Frage hat der Bund diese Woche mit einer Studie beantwortet. Oder, sagen wir mal, zu beant- worten versucht. Einerseits gaukeln uns die Experten aus Bern eine Genauigkeit bis auf zwei Stellen hinterm Komma vor. Sie behaupten, der Wertverlust bewege sich im einstelligen Prozentbereich. Andererseits räumen die Autoren ein, man könne gar nicht wirklich sagen, was tatsächlich passieren werde. Vergleichswerte würden fehlen, und der Planungshorizont sei sehr lang.

Da können wir etwas genauer sein: Mit 100-prozentiger Sicherheit kann man die Berner Studie am gleichen Ort verstauben lassen wie die sozioökonomische Untersuchung des Kantons Schaffhausen zum Endlager, die vor einem Jahr publiziert wurde. Diese wollte uns zum Beispiel ernsthaft glauben machen, man könne das entgangene Bevölkerungswachstum in den Jahren 2030 bis 2065 (!) mit einer Genauigkeit von zehn Personen quantifizieren («rund 1570 bis 4140 Personen»). Wahrscheinlich sind diese Werte am Ende einer Excel-Tabelle herausgekommen, dann müssen sie ja stimmen.

Trotzdem wäre es falsch, sich einfach nur über die Defizite dieser Studien zu beklagen oder sich gar darüber lustig zu machen. Denn wenn es dereinst so weit kommen sollte, dass zwei mögliche Lagerstandorte technisch gleichwertig sind, werden die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kriterien den Ausschlag geben – also letztlich genau solche Studien, wie wir sie vorliegen haben. Wie die Schaffhauser und die neue Berner Studie aber zeigen, ist es so gut wie unmöglich, zu eindeutigen Aussagen zu kommen, welche Ereignisse in zwanzig, dreissig, fünfzig Jahren zutreffen. Das sollte uns zu denken geben.

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