27.06.2012, Schaffhauser Nachrichten

Antrag: Keine heisse Zelle beim Lager

Die radioaktiven Abfälle sollen nicht beim Tiefenlager umverpackt werden, sondern schon im Zwilag oder bei den Kraftwerken.

Von Zeno Geisseler

In der Oberflächenanlage des Tiefenlagers soll der radioaktive
Abfall nicht umverpackt werden müssen.

Visualisierung Nagra

Stichwort: Umverpackung

Hoch radioaktive Abfälle

Die hoch radioaktiven Abfälle, Brennstäbe aus den Kernkraftwerken, werden in Castor-Be- hältern aus dem Zwischenlager zur Oberflä- chenanlage des Tiefenlagers gebracht. Dort werden die Brennstäbe in einer Atomanlage, einer sogenannten «heissen Zelle», in die Tiefenlagerbehälter umverpackt. Die Lager- behälter werden anschliessend ins Tiefenla- ger gefahren.

Schwach und mittelradioaktive Abfälle

Beim Lager für schwach und mittelradioaktive Abfälle gibt es keine heisse Zelle. Die Abfälle werden in Fässern angeliefert, diese werden kontrolliert, der Inhalt wird aber nicht neu ver- packt. Stattdessen werden die Fässer in der Oberflächenanlage in speziellen Lagerbehäl- tern gestapelt und mit Beton übergossen. Die- se Behälter werden ins Tiefenlager gebracht.

Bevor die radioaktiven Abfälle dereinst ins Tiefenlager gebracht werden können, müs- sen sie für die Lagerung vorbereitet und umverpackt werden (siehe Kasten). Diese Verpackungsanlage sorgt in den möglichen Standortgebieten für Unruhe, weil viele befürchten, dass das Umverpacken ein weiteres Sicherheitsrisiko darstellt.

In den Regionalkonferenzen Südranden und Zürich Nordost ist nun ein Antrag einge- reicht worden, wie die Verpackung anders gelöst werden könnte. Statt in der Ober- flächenanlage beim Tiefenlager soll die Um- verpackung bereits im Zwischenlager oder bei den Kernkraftwerken erfolgen. Die Na- gra soll ein entsprechendes Konzept aus- arbeiten.

Dies fordern die beiden Ingenieure Christian Göldi aus Schaffhausen und Beat Schlatter aus Uhwiesen. «Die Nagra sagt, dass es nicht anders geht, als die Abfälle beim Lager selbst für die Lagerung vorzubereiten. Wir wollen eine Alternative vorschlagen, damit man sauber entscheiden kann, welcher Weg der bessere wäre», sagt Göldi. Eine Umverpackung weg vom Tiefenlager könne auch dazu beitragen, die Akzeptanz des Lagers in der Region zu vergrössern.

Beim Bundesamt für Energie betrachtet man diese Pläne kritisch. «In der heutigen Form kann man die ‹heisse Zelle› des Zwischenlagers nicht für die Konditionierung oder das Umpacken in Endlagerbehälter verwenden. Es bräuchte eine neue Anlage», heisst es auf der Website des BFE. Auch bei der Nagra ist man skeptisch: «Rein aus technischer Sicht ist eine solche Lösung zwar nicht kategorisch auszuschliessen», sagt Nagra-Sprecher Heinz Sager. Doch das Verfahren sei nicht erprobt, die Tiefenlagerbehälter seien nicht für Strassen- oder Schienentransporte ausgelegt. Weil die Stahlzylinder für das Tiefenlager zudem deutlich kleiner seien als die Castor-Behälter, seien bis zu zehnmal so viele Transportfahrten notwendig. Sager weist darauf hin, dass die «heisse Zelle» sehr massiv gebaut werde und keine Gefährdung darstelle. Noch unproblematischer sei die Vorbereitung der schwach und mittelradioaktiven Abfälle. Im entsprechenden Lager gebe es gar keine «heisse Zelle», die Abfälle würden nur in andere Behälter geladen.

Die Regionalkonferenz Südranden wird den Antrag von Göldi und Schlatter heute in einer Woche behandeln.

<<  Zurück

© 2010 KLAR! SCHAFFHAUSEN - Impressum/Disclaimer     |     Sitemap