14.05.2013, Schaffhauser BOCK

Bundesamt für Energie (BFE) informierte über neue Standortvorschläge für Oberflächenanlagen auf Beringer und Neuhauser Gemarkung

Viele Fragen zum Tiefenlager im Südranden

An der gut besuchten öffentlichen Informationsveranstaltung des BFE zur Stand- ortsuche wurde die Gelegenheit, kritische Fragen zu stellen, rege genutzt.

Othmar Schwank, Geschäftsführer Regionalkonferenz Süd-
randen, Markus Fritschi, Bereichsleiter Nagra, Martin Herfort
vom ENSI sowie Monika Jost vom BFE (v. l. n. r.) standen dem
Publikum in Beringen Red und Antwort.

Bild: Peter Hunziker/zVg

Mehr als hundert Interessierte fan­den am Montagabend den Weg in die Be­ringer Zimmerberghalle. Sie nahmen die Möglichkeit wahr, sich über die jüngsten Vorschläge für eine Oberflächenanlage (OFA) zu einem geologischen Tiefenla­ger zu informieren. In seiner Begrüssung erinnerte der Beringer Gemeindepräsi­dent Hansruedi Schuler da- ran, dass im Vorjahr schon einmal zwei Standortvor­schläge auf Beringer Gemeinde- gebiet vor­gestellt wurden. Der Gemeinderat sei alles andere als davon angetan, dass sich die Suche auf seine Gemeinde konzentriere: «Vier von fünf Vorschlägen befinden sich nun in oder an der Grenze zu Beringen.» Einleitend erläuterte Monika Jost vom BFE den Prozessablauf: Bis im Herbst 2013 ist festzulegen, welche Standort­ vorschläge nach der Bewertung durch die Fachgruppe OFA der Regionalkonfe­renz Südranden von der Nagra (Nationa­le Genossenschaft für die Lagerung radio­aktiver Abfälle) weiterverfolgt werden. Im nächsten Schritt soll die Nagra bis im Sommer 2014 pro Lagertyp (im Südran­den geht es um die Lagerung von mit­tel­ und schwachradioaktive Abfällen) mindestens zwei Vorschläge für Standort­gebiete vorlegen. Mit der Realisierung ei­nes Tiefenlagers sei indes nicht vor 2035 zu rechnen. Martin Herfort vom Eidge­nössisches Nuklearsicherheitsinspekto­rat (ENSI) betonte danach die Priorität des Schutzes von Mensch und Umwelt im sicherheitstechnischen Vergleich. «Wir stehen allerdings erst am Anfang dieses Prozesses», erklärte er.

Grundwasserschutz

Auch Daniel Leu vom interkantonalen Labor, der an diesem Abend die Positio­nen des Kantons Schaffhausen vertrat, hob die Bedeutung der Sicherheit hervor. Dass die Nagra nach der ersten Rundenoch einmal auf Standortsuche gehen musste, ist letztlich das Ergebnis eines Kriterienkatalogs der Kantone mit klaren Anforderungen insbesondere im Gewäs­serschutzbereich. «Unser Grundwasser ist ein hohes Gut, das es zu schützen gilt», erklärte Leu und wies auf die besonde­re lokale Situation hin, wo nicht nur die Schweizer Seite, sondern auch die deut­schen Nachbarn vom mächtigen aber trägen Grundwasserstrom im Klettgau abhängig sind.

Markus Fritschi, Bereichsleiter Lager­ programme bei der Nagra, rekapitulierte den Weg zu den vier neuen Potenzial­räumen bis zum Auftrag der Fachgruppe OFA, zwei Vorschläge in diesen Gebieten vorzulegen. Nach einer Güterabwägung seien die beiden Vorschläge im Neuhau­serwald und «Im Taal» oberhalb von Guntmadingen konkretisiert worden. Zu den Herausforderungen gehöre sicher die von der Fachgruppe geforderte Erschlies­sung dieser Gebiete mit der Bahn.

Othmar Schwank, Geschäftsführer der Regionalkonferenz Südranden, betonte schliesslich die spezielle Situation in der Regionalkonferenz. Delegierte aus drei Kantonen und zwei Landkreisen kom­men in diesem Gremium zusammen. «Die Regionalkonferenz kann zwar nicht ent­scheiden, sie kann jedoch Akzente setzen und Einfluss nehmen.»

In der folgenden lebhaften, aber sachli­chen Diskussion standen die Referenten Red und Antwort. Im Fokus standen die Transportwege mit ihren Risiken und einmal mehr die Frage nach der Sicher­heit des Grundwassers.

Wirtschaftliche Auswirkungen

Und nicht zuletzt ging es um die wirt­schaftlichen Auswirkungen eines Tie­fenlagers auf die Region. Werden die Liegenschaften in der Umgebung eines Tiefenlagers entwertet und wie sollen diese Nachteile kompensiert werden? Und wie verhält es sich mit der Suche nach Technologien, die es erlauben, ra­dioaktive Abfälle weiter zu nutzen? Sind die Mittel für die Abgeltung bereits gesi­chert? Fragen, die von den Referenten nach bestem Wissen beantwortet wur­den, ohne den Eindruck zu vermitteln, alle Details seien heute schon geklärt. Im Gegenteil zeigte sich doch einmal mehr, dass dereinst nach der Festlegung eines Oberflächenstandorts die meisten gros­sen Fragen zur Entsorgung keineswegs beantwortet sein werden. Die Gelegen­heit zu persönlichen Gesprächen an den Tischen der ver- schiedenen Organisatio­nen wurde zum Schluss reichlich genutzt. (peh.)

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