05.07.2013, Schaffhauser Nachrichten

Tor zum Endlager im Neuhauserwald

Sollte ein atomares Tiefen-lager im Südranden gebaut werden, dann wäre die Waldsenke Brentenhau in Neuhausen «am wenigsten ungeeignet» für den Bau von Oberflächenanlagen. Das hat die Vollversammlung der Regionalkonferenz bestätigt.

Von Daniel Jung

Falls die Region Südranden ausgewählt würde, könnte am rot markierten Standort im Neuhauserwald der Zugang zum Tiefenlager für mittelaktiven Atommüll gebaut werden.

Karte Google Maps/SN

Die Regionalkonferenz Südranden hat an ihrer Vollversammlung vom Mittwochabend den Anträgen der Fachgruppe Oberflächenanlagen ohne Gegenstimmen zugestimmt. Somit ist nun klar, welcher Standort in der Region Südranden am ehesten für den Bau von Oberflächenanlagen in Frage kommt: Es ist die Waldsenke Brentenhau zwischen Beringen und Neuhausen (siehe SN vom 26. Juni). Der Standort liegt auf Neuhauser Gemarkung, aber in der Nähe der Beringer Kehrichtbehandlungsanlage Hard.

«Zwischen Pest und Cholera»

Die Fachgruppe Oberflächenanlagen hatte in einem aufwendigen Prozess fünf mögliche Areale verglichen. Dafür wurden Faktoren wie Grundwasserschutz, Naturschutzgebiete, Siedlungsnähe, mögliche Erschliessung, Einsehbarkeit oder Beeinträchtigung der regionalen Entwicklung bewertet. Die Beringer Einwohnerrätin Regula Widmer, die der Fachgruppe vorsteht, präsentierte die Resultate am Mittwoch der Vollversammlung. «Wir hatten die Wahl zwischen Pest und Cholera», sagte sie. Zwar seien alle fünf Standorte schlecht geeignet. Trotzdem soll die Nagra die Planungen für den Standort SR4 im Neuhauserwald weiterführen, weil dieser «am wenigsten ungeeignet» sei. Die Erschliessung habe gegebenenfalls mit einer Eisenbahnlinie zu erfolgen. Die Vollversammlung beschloss zusätzlich, dass auch die Abklärungen für ein mögliche unterirdische Anlage weiter zu verfolgen seien. Einen definitiven Standortentscheid wird die Regionalkonferenz Südranden der Nagra jedoch erst nach der nächsten Vollversammlung vom 25. September mitteilen.

«Aus Sicht des Kantons ist das Resultat nachvollziehbar», sagte Regie- rungsrätin Ursula Hafner Wipf. Weil aber noch zu viele wichtige Fragen ungeklärt seien, etwa zur Erschliessung des Tiefenlagers oder zu Störfällen, sei es noch zu früh für eine formelle Stellungnahme des Kantons. «Ich habe Vertrauen in das Ergebnis der Fachgruppe», sagte der Beringer Gemeindepräsident Hansruedi Schuler.

Keine Überraschung

Der Versammlung im Neuhauser SIG-Hus präsentierte der Nagra-Wissenschaftler Philip Birkhäuser die vorläufigen Ergebnisse der seismischen 2-D-Messungen, die im vorletzten Winter gemacht wurden. Dabei hat die Nagra ihr geologisches Wissen über den Klettgau verbessert, aber keine Überraschungen gefunden, die ein Endlager im Opalinuston verunmöglichen würden.

Weiter beschloss die Regionalkonferenz, die Frage des Vertrauens in einen fairen Prozess bei der Endlagersuche erst an einer späteren Sitzung vertieft zu diskutieren. «Von einer vollumfänglichen Wiederherstellung des Vertrauens kann bisher nicht die Rede sein», sagte Kantonsrat Markus Müller. Die Vertrauensfrage war im letzten Herbst nach dem Skandal um ein geheimes Nagra-Papier auf die Traktandenliste gekommen. Zum Schluss der Sitzung lenkte Nationalrat Hans-Jürg Fehr die Aufmerksamkeit noch über die Landesgrenze: Er beauftragte die Leitungsgruppe der Regionalkonferenz, Informationen über die deutsche Endlagersuche und den möglichen Standort Gottmadingen zu sammeln. «Das ist eine ziemliche Dunkelkammer», sagte Fehr.

Weitere Infos finden Sie auf www.plattform-suedranden.ch

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