20.09.2013, Schaffhauser Nachrichten

Schacht oder Rampe für Tiefenlager?
Es gibt noch keine klaren Antworten

Schacht oder Rampe? Das Bundesamt für Energie (BFE) hat letzte Woche ein Forum zu diesem Thema durchgeführt, an dem auch viele Delegierte der Regional- konferenzen Südranden und Zürich-Nordost teilnahmen.

Von Peter Hunziker

Die Vertreterinnen und Vertreter der Regionalkonferenzen
liessen sich über Vor- und Nachteile der beiden Zugänge zu
einem Tiefenlager informieren.

Bild Peter Hunziker

Wie gross das Interesse am Thema ist, zeigte schon der Aufmarsch von 120 Dele- gierten aus den sechs Regionalkonferenzen. Nach einem Statement des BFE zum Vor- gehen bei der Standortsuche und der Präsentation einer bautechnischen Risiko- analyse durch das Eidgenössische Nuklear- sicherheitsinspektorat (Ensi), verglich Jochen Fillibeck, Laborleiter des Zentrums für Geotechnik an der Technischen Univer- sität München, die bautechnischen Argu- mente, die für die Erschliessung eines Tiefenlagers mittels Rampe oder eines vertikalen Schachts sprechen. Fillibeck er- klärte, beide Varianten seien bautechnisch sicher realisierbar. Während der Schacht als Zugangsbauwerk schon bei der ersten Bohrung brauchbare Informationen über den Untergrund liefere, seien die Erkundungs- arbeiten für eine Rampe deutlich aufwendiger. Auch bezüglich Statik, Kosten und der Gefahr von Wassereinbrüchen schneidet der Schacht in diesem Vergleich besser ab. Komme es indes zu Komplikationen, biete die Rampe eine wesentlich bessere Zugänglichkeit, zudem erlaube sie eine flexiblere Trassierung. Am Ende plädierte Fillibeck für eine Kombination beider Erschliessungsarten.

«Mit diesen Gefah-
ren muss man um-
gehen, wenn sie
genügend bekannt
sind»

Simon Löw
Leiter Geologisches
Institut ETH

«Am Anfang eines Vorprojekts»

Über die «Geologie und bautechnische Risiken in der Nordschweiz» referierte ETH-Professor Simon Löw. Der Leiter des geologischen Instituts erinnerte daran, dass bautechnische Risiken erst seit 2012 zum Arbeitsfeld der Nagra gehörten. Man wisse jetzt zwar viel über die tektonischen Verhältnisse im Untergrund; hydraulische Eigen- schaften wie Strömungsverhalten oder Wasserdurchlässigkeit seien hingegen wenig bekannt. Am Beispiel des Lötschbergtunnels illustrierte er, wie ein hochkomplexer Bau im Untergrund entwickelt wird. «Wir stehen hier am Anfang des Vorprojekts», beschrieb Löw den aktuellen Stand der Arbeiten am Tiefenlager. Seine Aufzählung der zu erwartenden Schwierigkeiten, die aus dem Tunnelbau abgeleitet werden können, war lang: Brüche in Lockergestein, Stabilitätsprobleme, Wasser- und Gaseinbrüche oder aufquellendes Gestein sind nur einige der Risiken, die den Bau eines Tiefenlagers behindern könnten. «Mit diesen Gefahren kann man umgehen, wenn sie genügend bekannt sind», sagte Löw. In der zweiten Etappe des Sachplans werden die bautechnischen Verhältnisse und Risiken jetzt erstmals systematisch untersucht.

Laufend überprüfen

Mit diesen Informationen ausgestattet bewerteten die Forumsteilnehmer einen 22 Fragen umfassenden Katalog nach der Wichtigkeit. Die von der Regionalkonferenz Südranden eingereichte Frage nach der Gefahr von ständigen Wasserzuflüssen oder gar der Flutung eines Tiefenlagers bewegte dabei mehr als die Hälfte der Teilnehmenden. «Man wird versuchen, dies bei der Planung zu vermeiden», lautete die Antwort der Fachleute. Simon Löw beschrieb, wie empfindlich Opalinuston auf Änderungen des Wassergehalts reagiert. Naheliegend sei, Wassereinbrüche durch Drainagen zu verhindern. In die gleiche Richtung ging die Frage nach Störungen des Opalinustons durch kilometerlange Kavernen und weshalb das Gestein durch weite Rampen zusätzlich gefährdet werde. Meinert Rahn vom Ensi argumentierte mit der besseren Zugänglichkeit, die es erlaube, beispielsweise bei einem Notfall die Leute schneller aus einem Gefahrenbereich zu evakuieren.

Ähnliche Stossrichtungen hatten auch die weiteren Themen, beispielsweise der Einfluss der Behältergrösse auf die Langzeitsicherheit. Während Meinert Rahn die Erfordernis deutlich grösserer Anlagen gegen das Umpacken radioaktiver Abfälle in kleinere als die derzeit festgelegten 26 Kubikmeter grossen Behälter ins Feld führte, verwies Simon Löw auf andere Länder, die für das gleiche Gestein abweichende Konzepte entwickelt hätten. «Diese Konzepte müssen laufend überprüft und begründet werden», forderte er.

Klar wurde an diesem Abend vor allem, dass das «Vorprojekt Tiefenlager» wohl erst einmal aus dem Anfangsstadium herauswachsen muss, bevor auf nur scheinbar einfache Fragen wie «Schacht oder Rampe?» klare Antworten folgen. Die Fachgruppen und Regionalkonferenzen müssen ihre kritischen Fragen zweifellos weiter beharrlich stellen.

Peter Hunziker ist Kommunikationsverantwortlicher der Regionalkonferenz Südranden.

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