24.04.2014, Schaffhauser BOCK

Das Bundesamt für Energie hat den Zeitplan für die Suche nach einem Endlagerstandort verlängert

Wenn die Motivation nachlässt

Der Zeitplan für die Standortsuche der Tiefenlager wird verlängert. Nun werden Motivationsprobleme in den Regionalkonferenzen befürchtet. Das Bundesamt für Energie nimmt Stellung dazu.

Von Lisa Dätwyler

Das BFE rechnet nicht mit Rücktritten aus den Regional-
konferenzen.

Bild: zVg

Der Zeitplan des Bundesamtes für Energie war zu optimistisch. Das gibt Michael Aebersold vom Bundesamt für Energie im Newsletter zum Thema Tiefenlager bekannt. Das komplexe Verfahren mit seinem Pioniercharakter habe zu Verzögerungen geführt. Auch bei den Regionalkonferenzen.

Die beiden Präsidenten der Regionalkonferenzen Südranden und Zürich Nordost, Stephan Rawyler und Jürg Grau, zeigen sich auf der einen Seite erleichtert über den Entscheid des Bundesamtes. Sie haben in der Vergangenheit mehrmals darauf hingewiesen, dass der Zeitplan zu ambitiös sei, sagt Stephan Rawyler. Nun haben die Mitglieder mehr Zeit, die umfangreichen Unterlagen zu studieren. Stephan Rawyler geht davon aus, dass die Arbeit der Regionakonferenzen aufgrund des neuen Zeitplans zwei bis drei Jahre länger dauern wird als bisher angenommen. Ob die Mitglieder der Regionalkonferenz über so lange Zeit motiviert werden können, sei fraglich. Er geht davon aus, dass ein Teil der Mitglieder nicht bis zum Ende dabei bleiben werden. Das wiederum führt zu einem grossen Aufwand für die Nachfolger. Jedes neue Mitglied muss sich in die Materie einlesen, kann an einer Studienreise ins internationale Felslabor Mont Terri im Jura teilnehmen und Kurse besuchen.

Gleiches gilt auch für Behördenvertreter. Tritt beispielsweise ein Gemeinderat von seinem Amt zurück, wird er in der Regionalkonferenz ersetzt. Stephan Rawyler hofft, dass trotz des verlängerten Zeitplans die grosse Mehrheit der Mitglieder dabei beibt, allen voran diejenigen der Fachgruppen. In der Regionalkonferenz Zürich Nordost wird mit einigen Wechseln gerechnet. Kürzlich haben im Bezirk Andelfingen die Gesamterneuerungswahlen statt- gefunden, was zu neuen Behördenvertretern in der Regionalkonferenz führen wird. Die grosse Herausforderung wird es sein, das Wissen innerhalb der Regionalkonferenz trotz der Wechsel über lange Zeit aufrechtzuerhalten, so Präsident Jürg Grau.

Diese Meinung teilt auch das Bundesamt für Energie (BFE). Derzeit erarbeitet das BFE unter Einbezug der Regionalkonferenzen Hilfestellungen für den Wissenstransfer innerhalb der Regionakonferenzen. Mit Rücktritten wird aufgrund der bisherigen Rückmeldungen aber nicht gerechnet. Im Gegenteil. Die meisten Akteure erachten die neuen Zeithorizonte als notwendig und nachvollziehbar, so das Bundesamt für Energie.

Trotzdem weist auch das BFE darauf hin, dass 30 bis 50 Prozent der Regionalkonferenz- mitglieder Behördenvertreter sind. Durch Neu- und Abwahlen ist bei diesen Personen regelmässig mit Mutationen zu rechnen.

Weitere Schritte

Die laufende zweite Etappe hat zum Ziel, aus den sechs möglichen Standortgebieten mindestens zwei pro Lagertyp (für schwach- und mittelradioaktive Abfälle und für hoch- radioaktive Abfälle) auszuwählen. Die Nagra reicht diese Vorschläge Ende Jahr ein. Der Präsident der Regionalkonferenz Südranden, Stephan Rawyler, geht davon aus, dass der Standort Südranden weiterhin mit dabei bleiben wird. In diesem Fall folgen eine öffentliche Anhörung und der Abschluss der zweiten Etappe durch den Bundesrat. In der dritten Etappe sind vertiefte sozioökonomische und ökologische Untersuchungen der möglichen Standorte vorgesehen. Auch die Auswirkung und die Anordnung der Schachtkopfanlagen werden diskutiert. Dies geschieht unter Mitwirkung der Standortregionen. Somit sind die Regional- konferenzen weiter gefordert. Die provisorische Standortwahl für ein komibinertes oder zwei einzelne Tiefenlager fällt etwa im Jahr 2020.

«Treffpunkt Tiefenlager»

Am 10. Mai führt das BFE einen Anlass für die Öffentlichkeit durch. Ab 10 Uhr werden Interessierte ab dem SIG-Hus in Neuhausen zum möglichen Standort der Oberflächenanlage in den Neuhauser Wald gefahren und können dort das Gespräch mit Fachleuten suchen.

Das BFE rechnet nicht mit Rücktritten aus den Regionalkonferenzen.

Bild: zVg

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