12.05.2014, Schaffhauser Nachrichten

Dringend nötige und plastische Aufklärung

Tiefenlager

Von Alexander Joho

Atomstrom bewegt, Atomkraftwerk-Reststoffe bewegen noch mehr. Da der Kanton Schaff- hausen mit dem Südranden für die Bundesbehörden wie die Nagra oder das Bundesamt für Energie (BFE) eine der sechs potenziellen Endlagerstandorte für schwach und mittel- radioaktive Abfälle darstellt, informierten die involvierten Parteien, darunter der Kanton selbst sowie Vertreter der Regionalkonferenz wie auch Endlagergegner, im Neuhauser SIG-Hus. Mehrere sachlich gehaltene Vorträge vermittelten ein plastisches Bild für all diejenigen, die sich schon immer genauer für die Bauten, den Transport oder die geologischen Voraussetzungen eines Endlagers interessierten oder sich mit der Materie ein erstes Mal detaillierter auseinandersetzen wollten. Bei der kurzen, aber erhellenden Besichtigung des in Frage kommenden Areals unter der Führung von Nagra-Vertreter und Chemieingenieur Marc Croket und der Informationsverantwortlichen des BFE, Simone Brander, konnten einige Unklarheiten und Missverständnisse aus dem Weg geräumt werden.

Zeit für Forschung nutzen

Im Speziellen Fragen zum Anschlagpotenzial durch Terroristen oder zum Transport der schwach und mittelradioaktiven Abfälle mittels Bahn durch besiedeltes Gebiet waren und sind immer populär. Momentan müsste für das unter der Bezeichnung SR-4 laufende Endlager diesbezüglich eine eigene Abzweigung gegenüber der Öffnung des Galgenbucktunnels bei der Enge gebaut und mit zwei westwärts verlaufenden Tunnels unterstützt werden. Ein weiteres Thema bei der Begehung war die Umnutzung eines Waldgebietes und die damit verbundene Abholzung. Aufgrund von aktuellen Auflagen müsste dieselbe Fläche, derzeit ist bei der Anlieferstation über Tage von circa 6.5 Hektaren oder 150 auf 300 Meter Grundfläche die Rede, an einem anderen Ort im Kanton wieder kompensiert werden. «Für die Gemeinde Neuhausen würde sich dabei eine Aufforstung zwischen Neuhauser Wald und Rheinfallwald anbieten, besonders aus Sicht des Naturschutzes wäre dies eine angebrachte Lösung», erklärte der Neuhauser Gemeindepräsident und Vorsitzende der Regionalkonferenz, Stephan Rawyler. Und doch: Noch handelt es sich bei den aktuellen Diskussionen und Berat- schlagungen um Zukunftsmusik. Bis die Anlage mit diversen für Spezialaufgaben gedachten Gebäuden überhaupt gebaut werden könnte, vergehen noch mindestens vierzig Jahre. Zeit, die sinnvoll und im Namen der Forschung genutzt werden sollte. Oder wie es Harald Jenny vom Forum Vera beschrieb: «Auf jeden Fall muss bei der Standortbeurteilung die Sicherheit unter der Erde an erster Stelle stehen. Die Umwelt, die Natur und der Mensch dürfen nicht gestört und es darf kein Grundwasser in Mitleidenschaft gezogen werden. Auch sollte man sich fragen, ob die Anlage permanent versiegelt werden sollte oder man bei entsprechendem technologischem Fortschritt die Abfälle zu einem späteren Zeitpunkt anderweitig wieder- verwerten könnte.»

Tiefenlagersuche
Eckpunkte

Standort Der Südranden im Kanton Schaffhausen ist einer von sechs möglichen Standorten für die Entsorgung von schwach und mittelaktiven Abfällen.
Nächste Schritte Die definitive Auswahl steht noch aus. Die Einlagerung der Abfälle erfolgt nicht vor dem Jahr 2050. (r.)

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