10.11.2014, Schaffhauser Nachrichten

Süddeutsche und Schweizer Atommülllager-Sorgen

Das Bundesamt für Energie lud zusammen mit Partnerbehördenin Jestetten zur Infoveranstaltungrund ums Thema Geologisches Tiefenlager.

Grenzüberschreitend arbeiten die süddeutschen Gemeinden im Bereich des Südranden schon seit Längerem mit Schweizer Partnern in den unmittelbar anliegenden Kantonen zusammen, wenn es um das Thema Atommüll geht.

Für die Informationsveranstaltung zum geplanten Tiefenlager für schwach- und mittelaktive Abfälle, das unter Umständen im Kanton Schaffhausen oder für hochaktive Abfälle im Kanton Zürich erstellt wird, fanden sich unter der Ägide des Bundesamtes für Energie BFE weitere Partnerbehörden und Organisationen in der Gemeindehalle von Jestetten ein. Bürger- meisterin Ira Sattler bringt die Gefühlslage der deutschen Nachbarn auf den Punkt: «Die Leute hier haben Angst, keine Frage, niemand reisst sich gerne um eine solche Anlage. Als der Südranden vor knapp sechs Jahren zum ersten Mal als Option auf dem Planungstisch auftauchte, sass der Schock tief in den Knochen der Einwohner.»

Eine erste Infoveranstaltung 2008 sorgte an derselben Stelle für ein volles Haus, Proteste und Demonstrationen inklusive. «Jedoch alles in einem friedlichen Rahmen», so Sattler weiter. Warum dass nun an einem Samstagmorgen das Interesse in Jestetten erheblich kleiner ist, hat mehrere Gründe. «Die Dimensionen dieses komplexen Themas übersteigen die Kompetenzen vieler Leute, sogar wir als Bürgervertreter müssen enorm viel Zeit aufwenden, um uns ins Thema einzulesen», sagte Jürgen Link, Bürgermeister der Nachbargemeinde Lottstetten. «Darum traut man sich auch nicht gerne ans Thema Atommüllzwischen- und Endlagerung.» Ein Besucher der Veranstaltung und Einwohner der Gemeinde meinte: «Zu häufig habe ich den Eindruck, dass sich die Gemeinden vor der Verantwortung drücken und die Aufgabe lieber an den Landkreis weiterdelegieren, zum Beispiel in Sachen Verteilung von Jodtabletten.» Wenigstens die aktuelle Landesregierung unter Winfried Kretschmann lasse vermehrt die Absicht erkennen, offener und konstruktiver über Atommüll und dessen Lagerung zu sprechen.

Positiv aufgenommen wurde die umfassende und proaktive Aufklärung durch die Schweizer Behördenvertreter auf deutschem Boden und die Kooperation mit den Interessen- gruppierungen. «Wir müssen jedoch schon einsehen, dass wir in der länderübergreifenden Kommission mit knapp über 100 Personen nur schwer die Bedürfnisse und Sorgen von mehr als 100 000 betroffenen Einwohnern vertreten können, aber wir tun unser Bestes, die Leute aufzuklären», erklärt Ira Sattler. «Es kann mittlerweile niemand mehr behaupten, ungenügend informiert zu sein.» Bisher spiele sich die generationenübergreifende Diskussion über den Bau, der frühestens in vierzig Jahren zustande kommen könnte, auf abstraktem Niveau ab.

Konkreter und von weitreichenderer Bedeutung werde dann der «2x2»-Entscheid des Bundes Anfang 2015 sein, bei dem bekannt wird, welche der aktuell sechs vorliegenden möglichen Standorte in die engere Auswahl gelangen. Für Harald Jenny, Schaffhauser FDP- Parteipräsident und Vertreter des Forum Vera, ist die Sachlage schon im Vorfeld klar: «Schauen Sie sich die Kriterien zur Standortbestimmung an, Sie werden sehen, dass der Süd-randen wie auch das Gebiet Zürich Nordost weiterhin im Rennen bleiben werden.» (ajo)

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