19.11.2014, Schaffhauser Nachrichten

Studie: Kaum Folgen für den Rheinfalltourismus

Ein Tiefenlager verscheucht nur wenige Touristen und ist sogar selbst eine Attraktion: Die Nagra geht von 20'000 Tiefenlagerbesuchern pro Jahr aus.

Von Zeno Geisseler

Von den sechs möglichen Standortarealen für ein Tiefenlager für radioaktive Abfälle betreffen drei die Nordostschweiz: der Südranden im Kanton Schaffhausen, Nördlich Lägern bei Bülach und Zürich-Nordost im Zürcher Weinland. Neben den Standortkantonen selbst sind auch deutsche Gemeinden und der Nordwestrand des Thurgaus in den Perimetern enthalten.

Was sind nun gemäss Studie die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Folgen des Baus und Betriebs eines Tiefenlagers in diesen Regionen? Die folgenden Zahlen sind mit einer gewissen Zurückhaltung zu lesen, denn ein Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle würde erst um 2050 in Betrieb gehen, eines für hoch radioaktive Abfälle um 2060.

Südranden

Gemäss Studie hätte ein Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle im Südranden einen positiven wirtschaftlichen Effekt: Es generierte eine Wertschöpfung von 4,8 Millionen Franken und 39 Vollzeitstellen pro Jahr. Auf der anderen Seite stehen Rückgänge im Tourismus (–1 Million Franken) und in der Landwirtschaft (–0,6 Millionen Franken pro Jahr).

Für den Rheinfall hätte ein Tiefenlager kaum touristische Folgen. Denn «Touroperator haben keine Möglichkeit, auf ein ähnliches Angebot auszuweichen, und werden den Rheinfall weiterhin als Ziel anbieten», heisst es in der Studie. Auch auf die Hotellerie sei der Einfluss klein, denn diese sei vor allem auf Geschäftsleute ausgerichtet. Das Lager selbst ziehe auch Besucher an: Die Studie spricht von 20 000 Tiefenlagertouristen pro Jahr.

Für die öffentlichen Finanzen würde vor allem die Abgeltung für die Standortregion einschenken: Diese werden mit 300 Millionen Franken angegeben – oder etwa 3,2 Millionen pro Jahr. Der genaue Betrag ist allerdings noch nicht bestimmt. Allerdings könnte ein Lager die Ansiedlung von Unternehmen torpedieren, sagt die Studie: «Ein Tiefenlager könnte allenfalls ein Grund für das Wegbleiben oder sogar den Wegzug dieser Firmen sein.»

«Touroperator haben keine Ausweichmöglichkeit und werden den Rheinfall weiterhin als Ziel anbieten.»

Negativ sind die Auswirkungen auf die Umwelt, weil der Standort für die Oberflächenanlage in einem Lebensraum mit hoher ökologischer Bedeutung liegt. Sehr stark negativ (–4 auf einer Skala von –5 bis +5) wirkt sich schliesslich die Verkehrsanbindung aus, unter anderem weil Transporte auf der Bahn über deutsches Staatsgebiet führen würden. Auch die Kehrtwende im Bahnhof Schaffhausen sei unvorteilhaft. Stark negativ wären die Folgen auch für die Siedlungsentwicklung, na- mentlich für Beringen.

Zürich-Nordost

Das Gebiet in den Weinländer Gemeinden Marthalen und Rheinau kommt als Lager sowohl für schwach- und mittelradioaktive als auch für hoch radioaktive Abfälle infrage. Auch ein Kombilager ist möglich. Für die Wirtschaft hätte ein Lager deutlich positive Folgen, vor allem beim Bau eines Kombilagers. Dann würde eine Wertschöpfung von fast 19 Millionen Franken jährlich anfallen, 200 Stellen würden geschaffen. Tourismus und Landwirtschaft würden hingegen zusammen nur 1,3 Millionen Franken verlieren. Richtig einschenken würden die Abgeltungen für ein Kombilager: 800 Millionen Franken gäbe es für die Standortregion, oder 8,5 Millionen Franken pro Jahr. Ein reines Lager für hoch radioaktive Abfälle gäbe 500 Millionen Franken. Relativ gering wären die ökologischen und gesellschaftlichen Folgen.

Nördlich Lägern

Auch dieses Gebiet, das von Eglisau und Bülach im Osten bis nach Schneisingen im Kanton Aargau reicht und im Planungsperimeter auch die Schaffhauser Gemeinden Rüdlingen und Buchberg umfasst, ist für alle drei Lagertypen geeignet. Die in Aussicht gestellten Abgeltungen für die Standortregion sind somit gleich wie bei Zürich-Nordost, der wirtschaftliche Saldo positiv. Trotzdem geht die Studie beim Tourismus netto von 0,1 Millionen Franken und bei der Landwirtschaft von 0,3 Millionen Franken Einbusse aus. Die Umwelteinflüsse seien relativ bescheiden. Die einzige relevante Gefahrenquelle ist laut Studie der nahe gelegene Flughafen Zürich. Das Gefahrenpotenzial gilt als gering bis mittel.

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