21.11.2014, Schaffhauser Nachrichten

Regionalkonferenz: Ärger über neue Tiefenlagerstudie

Falsche Werte, ungenügende Beteiligungsmöglichkeit – die Regionalkonferenz Südranden ist unzufrieden mit der neuen Tiefenlagerstudie SÖW des Bundes und plant eine kritische Stellungnahme.

Es hatte beinahe schon symbolischen Charakter: Als sich die Regionalkonferenz Südranden am Mittwochabend im SIG-Hus zur 13. Vollversammlung traf und dort die Ergebnisse der neuen Studie des Bundes zur Tiefenlagersuche besprach, konnte die Klimaanlage zunächst nicht abgestellt werden, und es wurde kälter und kälter im Saal.

Die sprichwörtliche Eiseskälte schlug dann Roman Frick vom Forschungsbüro Infras, welches die Sozioökonomisch- Ökologische Wirkungsstudie (SÖW) mit durchgeführt hatte, zwar nicht entgegen, wohl aber deutliche Kritik. Frick stellte die am Dienstag veröffentlichte Exper- tenstudie, welche die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Folgen eines Tiefenlagers untersucht hatte, nochmals genauer vor. Diese prognostizierte für die Standortregion Südranden unter anderem einen wirtschaftlichen Vorteil und ein Stellen- wachstum (siehe SN vom Mittwoch). Der Tourismus der Region würde unter einem Lager für schwache und mittlere radioaktive Abfälle im Neuhauser Wald kaum leiden. Negative Auswirkungen hätte ein Tiefenlager aber bei der Siedlungsentwicklung und im Bereich Umwelt.

«Man kann nur empört sein»

Vor allem der positive Effekt auf die Wirtschaft und der Stellenzuwachs stiessen den Delegierten der Regionalkonferenz sauer auf. Stadtpräsident Thomas Feurer erklärte, dass er «nur empört sein könne» darüber, dass aufgrund der Studie ein wirtschaftlicher Vorteil eines Lagers im Raum stehe.

Frage nach Imageschaden

Nationalrätin Martina Munz berief sich in diesem Zusammenhang auf eine andere Studie aus dem Jahr 2010, welche der Kanton in Auftrag gegeben hatte und die andere Schlussfolgerungen zieht als die SÖW. «Darin geht man nicht von einem Stellenzuwachs, sondern von einem Verlust von bis zu 2000 Stellen aus. Woher kommt diese Diskrepanz?», fragte sie. Roman Frick erklärte, dass die kantonale Studie einen Imageschaden durch die Lagerung radioaktiver Abfälle mit einberechnet hätte. Die SÖW-Studie habe den Faktor «Image» dagegen gänzlich ausgeklammert, da er aus Sicht der Forscher nicht verlässlich berechenbar sei. «Das ist einfach ein Punkt, in dem sich die Fachwelt nicht einig ist», so Frick. Die Delegierten waren anderer Meinung. Das Image spiele bei den Folgen eines Tiefenlagers sehr wohl eine Rolle. Eine Studie, welche das nicht mit einberechne, mache kaum Sinn – so der Tenor.

Stephan Rawyler, Präsident der Regionalkonferenz Südranden, sah einen Widerspruch darin, dass die Wirkungsstudie punktgenaue Zahlen aufweise, obwohl sie auf Annahmen beruhe. Ira Sattler, Bürgermeisterin von Jestetten, störte sich daran, dass die Regionen bei der Erarbeitung nicht berücksichtigt worden seien. Das hätte zu Fehlern in den Berechnungen geführt, welche nun nachträglich zu korrigieren seien.

Die verschiedenen Kritikpunkte des Abends fanden sich auch in einer offiziellen Stellungnahme der Regionalkonferenz Südranden zur SÖW-Studie wieder, die bei der Vollversammlung bereits als Entwurf vorlag. Die Delegierten waren mit dieser Version, erarbeitet von der Leitungsgruppe, jedoch nicht zufrieden. Die Kritik sei darin zu versteckt. Nun soll es eine neue Version mit deutlicheren Worten geben. (sba)

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