02.07.2012

Viel Arbeit, viel Papier, viel Geld – und komplett am Ziel vorbei!

Die Bevölkerung hat im Auswahlverfahren des Standortes für ein Atommüllendlager und den dazugehörigen Oberflächenanlagen ein Mitwirkungsrecht. Dieses Partizipations- verfahren, das in den Regionalkonferenzen der potentiellen Standorte zurzeit läuft, gliedert sich in drei Themenbereiche: Sicherheit, Oberflächenanlagen und sozio- ökonomische Auswirkungen. In diesen drei Bereichen wird in Fachgruppen gearbeitet.

Man kann sich unschwer vorstellen, dass Laien - mit welcher Thematik auch immer – damit überfordert sind, insbesondere wegen des angeschlagenen Tempos. Und weil dies alle wissen, gibt es in de Arbeitsgruppen fachliche Unterstützung. Das ist an sich sehr lobenswert. Beim Beispiel sozioökonomische Auswirkungen ist dies eine Studie, welche durch Rütter & Partner erstellt und heute veröffentlicht worden ist. Man erinnert sich: Der Kanton Schaffhausen hatte im Jahr 2010 eine eigene Studie erstellen lassen, die aber wegen der fehlenden Vergleichbarkeit mit den anderen Standorten vom BfE (Bundesamt für Energie) vom Tisch gefegt wurde. Insbesondere richtete die Schaffhauser Studie den Fokus auch auf den Aspekt Image, der – wegen der fehlenden Messbarkeit – keinen Niederschlag in der Bundesstudie fand. In einem zähen Ringen der Regionalkonferenzen mit dem Bund wurde wenigstens erreicht, dass dieser zusätzliche Aspekt irgendwie doch noch berücksichtigt wird, wenn auch nicht in der Studie selbst.

Wenig Erstaunliches

In einem hundert Seiten umfassenden Papier wurde der Fachgruppe die Methodik für die Studie vorgestellt. Hernach gab es einen ebenso hundert Seiten umfassenden Testbericht – sehr fundiert und transparent, dies alles. Nun liegen also die Ergebnisse dieser Studie vor und – wen wundert’s – sie fördert wenig Erstaunliches zu Tage. Lassen wir jetzt einmal beiseite, dass, wie oben erwähnt, der Einbezug des Images nicht berücksichtigt worden ist. Wir sehen, dass an sich alle potentiellen Standorte gleich gut, bzw. gleich schlecht dastehen, einzig der Wellenberg schneidet im Bereich Tourismus etwas weniger gut ab. Wir können der Studie u. a. entnehmen, wie hoch die erwartete Bruttowertschöpfung liegen könnte. Dabei ist aber nicht geklärt, wie viel davon das regionale Gewerbe abschöpfen könnte. Wir lesen von den Steuereinnahmen (Südranden jährlich etwa 200‘000 Franken und von den Abgeltungen der Nagra (ca. 3 Mio. Franken/pro Jahr während ca. 94 Jahren, d. h. bis zum Verschluss). Im Fazit wird schliesslich erklärt, dass die wirtschaftlichen Veränderungen in einer Region gering wären; sowohl die positiven wie auch die negativen Auswirkungen lägen deutlich unter einem Prozent des heutigen regionalen BIP.

Das ausgeklammerte Thema – ein ernüchterndes Fazit

Das Atommüllendlager könnte also überall hin gebaut werden, die Auswirkungen wären mehr oder weniger dieselben. Atommüllendlager? Wer spricht denn von einem Atommüllendlager? Im vorliegenden Bericht werden nämlich nuklear bedingte Auswirkungen völlig ausgeklammert. Wieso hat man denn so eine Studie überhaupt erstellt? Es handelt sich eben nicht um eine Konservenfabrik, die da gebaut werden soll, auch nicht um einen Strassentunnel, sondern um eine ober- und unterirdische atomare Anlage! So war es denn in der logischen Folge auch nicht Aufgabe der Studie, sich mit den möglichen sozioökonomischen Auswirkungen auf den Störfall zu beschäftigen. Das wären hingegen die Fragen gewesen, die von wirklichem Interesse gewesen wären. Um der Polemik der Nicht - Objektivierbarkeit auszuweichen; vergleichbare Studienobjekte finden sich auf der Weltkarte genügend!

Wir konstatieren, dass die Studie darauf abzielt, uns die möglichen Geldflüsse schmackhaft zu machen, während die möglichen Risiken ausgeklammert bleiben. Diese Studie schiesst leider komplett am Ziel vorbei!

Gabriela Buff
Präsidentin KLAR! Schaffhausen


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